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Angeregt durch die wundersamen Ereignisse um das mehrfache Verschwinden und wieder Auffinden der Statue des Hl. Leonhard am Leonhardsberg 1421 entstand in der mittel-alterlichen Bevölkerung von Tamsweg schon bald der Wunsch, hier ein Leonhard – Heiligtum zu errichten. In den Jahren 1424 und 1425 können für dieses Vorhaben bereits umfangreiche Grundschenkungen nachgewiesen werden und wird 1430 eine Kapelle genannt. „ Es entstand alsbald eine Kapelle, der Erzbischof Johann II am 18.Mai 1430 Ablass verlieh“(1). Wie die begleitende Bauforschung, welche im Rahmen der Renovierung durch das Büro für Bauforschung und Denkmalpflege von Mag. Dr. Hermann Fuchsberger durchgeführt wird, nachweist, bestand zu diesem Zeitpunkt noch kein Turm , lag vielmehr die nördliche Hälfte des Satteldaches mit 4 Gespärren auf der nachmaligen Südwand des Turmes auf (2). 1433 finden wir die Bestätigung einer ewigen Messe „ in basilica in monte prope Tambswig in hon. S. Leonhardii noviter errecta necdum completa „, so dass angenommen werden kann, dass die Kirchweih durch den Bischof von Chiemsee Johannes Ebser am 14.(a.O. 20.) September 1433 nur den Chorteil der Leonhardskirche betroffen hat (3) und die Errichtung des Langhauses mit Dach und Gewölben in den Folgejahren 1434 bis 1436 erfolgte (4). Dies könnte auch den markanten Knick im südlichen Dachverlauf zwischen Chor und Langhaus erklären. Ein dokumentierter Streit zwischen den Pfarren Tamsweg und Mariapfarr um die Zugehörigkeit der Kirche St. Leonhard im Jahr 1441, wo von einer „capella noviter errecta „ die Rede ist, könnte auf die Fertigstellung hinweisen (5). Nach einer längeren Pause in der Bautätigkeit wurden in den Jahren 1459 und 1460 die unteren Turmgeschosse errichtet. Der erste Kirchturm endete im heutigen 4. Obergeschoß in einer Höhe von 26 m ( Bauphase II (6)). Wohl unter dem Eindruck der heraufträuenden Türkengefahr - „ Denn bekanntlich bei den schrecklichsten der Türkeneinfälle im Jahre 1478, als die Renner und Brenner.....ganz Kärnthen und Krain sengend, brennend und mordend durchzogen, kam ein Streifkorps ...... an die blutige Alpe im Bundschuhtale, willens gegen Mauterndorf und Tamsweg vorzudringen“(7) wurde 1478 die Bautätigkeit am Turm neuerlich unterbrochen und mit der Befestigung der Kirche durch eine Wehrmauer begonnen. Erst 1510 wurde die Bautätigkeit mit der Errichtung des 5. Turmgeschosses fortgesetzt (Bauphase III (8)). Durch Meister Michael Santner ( 5 Tage ) und seine Knecht ( 32 Tagwerk ) wurden 1510 „Inn der Wochen nach Ostern , die Stieg Imm Gloggthum ....“ und andere Arbeiten verrichtet (9).
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 Büro für Bauforschung und Denkmalpflege Monumentum GmbH
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In einer ersten Renovierungsphase in den Jahren 1606 bis 1609 wurden umfangreiche Restaurierungen am Mauerwerk des Nordturmes sowie Langhauses vorgenommen , das Dach erneuert und neue Turmfenster eingesetzt (10). In der anschließenden IV. Bauphase 1609 – 1610 wurden die Ausbauarbeiten am Glockenturm und Helmdach fortgesetzt - „ In diesem Jahre wurde der Thurm gebaut , von der Corpus-Christi-Wochen angefangen bis Maria Geburth. Hanns Wagner hat den Hann aufgesetzt .... „ . „ Zimmer- und Maurerarbeith sammt Material zum Thurmbau hat gekostet 408fl.15kr. „ (11). Damit sind die wesentlichen Bauarbeiten an der Kirche St. Leonhard für lange Jahre abgeschlossen . Durch ihren einheitlichen , spätgotischen Stil gilt die Kirche fortan als „ ein Meisterstück deutscher Baukunst“ (12) . Die Zunahme an Wallfahrten und Bedarf an Messen machten es 1625 notwendig , nach St. Leonhard eine neue Erschließung zu bauen – „Der Fahrweg und Gangsteig nach St. Leonhard solle errichtet und der wöchentliche Gottesdienst augirt werden „ (13). Im Jahre 1682 wird die Sakristei neu errichtet -“..auf errichtung einer neuen Sakristey 183 fl.36 kr. „(14) . Die Errichtung der Kreuzigungsgruppe an der Ostseite der Wehrmauer ist im Jahre 1691 folgend dokumentiert : „Dem Johann Georg Mohr Bildhauer in Hallein 1 Chrucefix und zwei Schächerer zum Berg Kalfary 52 fl.,.....- dem Hans Rottensteiner Zimmermeister wegen Eingrabung und Aufsetzung der Kreutz am Kalfaryberg auch für die Deckung derselben dem Maurermeister 36 fl. 55 kr. – dem Michl Müller für Arbeith 14 fl. 2 kr.“(15)Erst 1860 wird in einer V. Bauphase die Dachkonstruktion des Turmhelmes in seiner heute bekannten Form fertig gestellt und erreicht der Turm damit stolze 55 Meter Höhe (16). Nach einem offensichtlich durch einen Blitzschlag verursachten Brand am Turm erhielt dieser 1866 einen Blitzableiter .Im 18. , 19. und 20. Jahrhundert folgen nun mehrere Renovierungsphasen . So wird 1734 der Turm neu eingedeckt und die 5 Turmknöpfe ausgebessert bzw. erneuert (17).
In den Jahren 1884 bis 1887 folgen umfangreiche Sanierungsarbeiten an der gesamten Kirchenfassade sowie Reparaturarbeiten und Farbretuschen an der Fischblasenmalerei des Frieses. Bei der letzten großräumigen Restaurierung in den Jahren 1912 – 1913 werden an der gesamten Kirchen- und Turmfassade Putzausbesserungen mit Färbelung durchgeführt, am Langhaus wird der Putz überschlämmt und mit schwarzem Fugenstrich versehen. Die Obergadenzone erhält eine Zementschlämme (18).
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 Ausschnitt aus Untersuchungsbericht Heinz Michael/ Gerhard Zottmann
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Nach weiteren, rund 100 Jahren haben umfangreiche Bauschäden an der gesamten Kirche eine neuerliche Generalsanierung notwendig gemacht . Nach einer langen Bauvorbereitungsphase in den Jahren 2003 bis 2008 mit Begehungen und Beratungen mit der Kunst- und Denkmalkommission 2003, dem Bundesdenkmalamt, Landeskonservatoriat und Bauamt der Erzdiözese 2004 wurden 2005 erste Aufmasspläne durch das Architekturbüro Dipl. Ing. Gernat angefertigt, 2006 ein Maßnahmenkatalog sowie erste Kostenprognosen erarbeitet und Bauetappen festgelegt, durch die Außenwerkstätten des Bundesdenkmalamtes Wien wurde die Inneneinrichtung der Kirche inventarisiert und befundet, durch die Restauratoren Heinz Michael und Gerhard Zottmann ein Untersuchungsbericht bezüglich dem Zustand von Putz und Stein ausgefertigt. 2007 fanden weitere Befun-dungen an den Fassaden statt und wurde das Arbeitskonzept für deren Restaurierung erstellt. 2007 bis 2008 wurde durch die Fa. Messbildstelle aus Dresden das digitale Aufmass der Kirche und der Wehrmauer durchgeführt sowie die Bestandspläne ausgefertigt, welche die Planungsunterlage für alle folgenden Baumassnahmen darstellen. 2008 wurde als Vorarbeit die Remise bei der Kirche ausgebaut und nach Erneuerung der Stützmauer eine öffentliche Toilettenanlage errichtet. 2009 konnte dann endlich nach langer Vorbereitung mit den Renovierungsarbeiten begonnen werden.
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 Kartierung der Schäden durch Heinz Michael und Gerhard Zottmann
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1. Bauetappe 2009
Die erste Bauetappe umfasste :
♦ Restaurierung der Turmfassade, Reinigung des Turminneren und Reparatur der Turm-Innenaufstiege
♦ Reparatur des Glockenstuhls und der Glockenstube
♦ Neuaufhängung der Glocken auf Holzjoche, Reinigung der Glocken und Erneuerung der Läutanlage
♦ Einbau von Schall-Lamellen in die Schallfenster
♦ Einbau der Elektrozentrale im Turm und Erneuerung der Elektroinstallation
♦ Erneuerung der Blitzschutzanlage am Turm
♦ Sanierung der Dachanschlüsse und Neueindeckung des Verbindungsdaches zwischen Turm und Langhausdach
Aufgewendete Kosten : € 790.000
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Rückführungsplan der Glockenanordnung auf die historische Situierung
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Glocke 2 mit neuem Holzjoch und Antrieb
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2. Bauetappe 2010
♦ Fassadenrestaurierung Apsis und Sakristei
♦ Restaurierung der Bleiglasfenster
♦ Stein- und Putzrestauration
♦ Innensanierung Sakristei
♦ Restaurierung der Hagelschutzgitter
♦ Neueindeckung von Sakristei und Apsis
♦ Bleieindeckung der Strebpfeiler, Gesimse und Sohlbänke
♦ Elektroinstallation Sakristei
♦ Möbel- , Fenster- und Türrestauration Sakristei
♦ Errichtung einer Drainage und Entwässerung entlang der Wehrmauer
♦ Restaurierung der nördlichen und westlichen Wehrmauer
Aufgewendete Mittel : € 1,044.000
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Aufnahme Architektbüro Dipl. Ing. Christian Gernat, Tamsweg
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3. Bauetappe 2011
♦ Restaurierung der Langhausfassade Süd und West
♦ Restaurierung der Bleiglasfenster
♦ Restaurierung der Hagelschutzgitter , Fenstergitter und Standeisen
♦ Neueindeckung des Langhauses und der Pultdächer mit Lärchenschindeln
♦ Bleieindeckung der Strebepfeiler , Gesimse und Sohlbänke
♦ Restaurierung der Wehrmauer Süd und Ost mit Wehrturm
♦ Restaurierung der Kreuzigungsgruppe
♦ Installation einer Beleuchtung im Kirchhof und entlang des Fußweges zum Ursprung gemeinsam mit der Gemeinde
♦ Errichtung einer Lautsprecheranlage für den Kirchhof
Geschätzter Aufwand : € 850.000
Die Aussenrenovierung soll 2012 mit der Restaurierung der Nordfassade abgeschlossen werden.
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Aufnahmen Architektbüro Dipl. Ing. Christian Gernat, Tamsweg
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Quellenhinweise :
(1) Österreichische Kunsttopographie S 209
(2) Büro für Bauforschung und Denkmalpflege Mag. Dr. Hermann Fuchsberger
(3) Österreichische Kunsttopographie S 209
(4) BOKU Forschungsprojekt Roofs T.1 unpubl.
(5) Büro für Bauforschung und Denkmalpflege Mag. Dr. Hermann Fuchsberger
(6) Büro für Bauforschung und Denkmalpflege Mag. Dr. Hermann Fuchsberger
(7) Ignaz v. Kürsinger , Lungau S 284
(8) Büro für Bauforschung und Denkmalpflege Mag. Dr. Hermann Fuchsberger
(9) Pfarrarchiv
(10) Ignaz v. Kürsinger , Lungau S 301
(11) Ignaz v. Kürsinger , Lungau S 301
(12) Ignaz v. Kürsinger , Lungau S 300
(13) Ignaz v. Kürsinger , Lungau S 301
(14) Ignaz v. Kürsinger , Lungau S 301
(15) Ignaz v. Kürsinger , Lungau S 301
(16) Büro für Bauforschung und Denkmalpflege Mag. Dr. Hermann Fuchsberger
(17) Pfarrarchiv
(18) Untersuchungsbericht Heinz Michael und Gerhard Zottmann 2008/2009
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